
Ich freue mich sehr auf diesen Band, für den ich einen Beitrag zum Thema Jugend im Kontext aktueller Krisenszenarien bereitstellen durfte.
Als Erscheinungstermin ist vom Verlag Beltz Juventa der 1.10.2026 angekündigt.
ISBN: 978-3-7799-8346-0
Mehr über meinen Beitrag
Unter dem Titel „Jugend in der Multikrise: Welche Zukunftsvorstellungen und Entlastungsstrategien werden in quantitativen Jugendstudien sichtbar?“ beschäftige ich mich mit dem Lebensgefühl junger Menschen in den von gesellschaftlichen Verwerfungen geprägten 2020er Jahren.
Ausgangspunkt ist meine These, dass die verdichteten Krisenerfahrungen – von Pandemie über neue geopolitische Konflikte bis hin zu Teuerung und Klimakrise – die Gegenwartsjugend nachhaltig prägen.
Unter Rückgriff auf Karl Mannheims Generationentheorie zeige ich auf, wie sehr sich die gegenwärtige „Zeitheimat“ Jugendlicher durch Risiken, Ängste und soziale Polarisierung charakterisiert. Für junge Menschen bedeutet dies: Unbeschwerte Jugend war gestern. Heute ist in der Lebensphase Jugend Zukunftsunsicherheit zur existenziellen Erfahrung geworden.
Das Zukunftsbild junger Menschen in Österreich ist, wie Forschungsdaten zeigen, widersprüchlich. Während ihre persönliche Lebenszufriedenheit hoch ist und sie ihre private Zukunft trotz der Herausforderungen unserer Zeit erstaunlich positiv bewerten, blickt die Mehrheit pessimistisch auf die Zukunft unserer Gesellschaft. Es ist demnach eine Entkopplung von privater und gesellschaftlicher Zukunftsperspektive zu beobachten. Und dies geht häufig mit einem Rückzug in die kleine Welt des Privaten einher. Abtauchen in die Geborgenheit gemeinschaftlicher Zusammenhänge wird vielen zum Lebensmotto.
In der Gemeinschaft suchen und finden rückzugsorientierte Jugendliche eine Komfortzone und Orientierung. Anders als bei den großen gesellschaftlichen Themen und Problemen unserer Zeit, die ein Gefühl der tiefen Ohnmacht und Hilflosigkeit hinterlassen, erleben junge Menschen den privaten Alltag als gestaltbar.
Dieser Rückzug ins Private lässt sich als Selbstschutzmaßnahme einer von verdichteten Krisenerfahrungen geprägten Generation interpretieren. In gewisser Weise wird von den Jugendlichen hier die Gemeinschaft gegen eine als überfordernd empfundene Gesellschaft in Stellung gebracht.
Bei der Bewältigung ihrer Krisenerfahrungen fühlen sich junge Menschen heute nicht selten auf sich selbst zurückgeworfen. Aus ihrer Sicht gilt: „Be someone that makes you happy.“ Im jugendkulturellen Mainstream regieren indessen Harmonie und eine Präferenz für das Sympathische. „Cool sein“, das war einmal. In den 2020er Jahren präsentieren sich jugendkulturelle Sehnsuchtsorte vorzugsweise als „nice“.